Stein auf Stein

KUKA Roboter helfen bei Rekonstruktion der Berliner Schlossfassaden

21. September 2015

© Berlin Palace–Humboldtforum Foundation / Architect: Franco Stella with FS HUF PG
Mit ihrer Präzision und Schnelligkeit sind sie eine wertvolle Unterstützung: KUKA Roboter helfen bei der Rekonstruktion der Berliner Schlossfassaden. Dabei fräsen die Roboter den Sandstein vor. Steinmetze und Bildhauer bearbeiten diese vorgefrästen Rohlinge in filigranster Kleinstarbeit. Rund 8000 Tonnen Sandstein für die Nord- und Südfassade des Berliner Schlosses gilt es, in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die Entscheidung zum Wiederaufbau

Der nach schweren Kriegsschäden im Jahr 1950 gesprengte Monumentalbau im ehemaligen Ostteil der Stadt wird nach dem Entwurf des Italieners Franco Stella neu errichtet. 2007 entschied der Deutsche Bundestag, das Berliner Schloss am Ende des Prachtboulevards „Unter den Linden“ wieder aufzubauen. Die Herausforderung: Die Steine des Gebäudes waren nach der Sprengung auf verschiedenen Großdeponien verteilt und unter dem Bombenschutt unauffindbar. Tausende Bauakten aus Zeiten der Renovierungen seit dem 18. Jahrhundert blieben jedoch erhalten. Heute bildet das Archivmaterial die Grundlage für den Wiederaufbau. Rekonstruiert wird der letzte barocke Erweiterungsbau samt dekorativem Fassadenschmuck. Dazu braucht es werkgetreue kopierte bildhauerische Bauplastiken in Naturstein. Genau an dieser Stelle kommen das Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser und KUKA ins Spiel.

Der Prozess

Wie rekonstruiert man in der kurzen Bauzeit bis 2018 ein ganzes Schloss mit originalgetreuer Natursteinfassade? Dazu bedarf es exakter Planzeichnungen, guter Vorlagen aller bildhauerischen Fassadenelemente als 1:1-Modell und einer extrem großen Menge an qualitativ hochwertigem Sandstein. Und es braucht das Know-how versierter, kapazitativ leistungsfähiger Betriebe, die einerseits manuell mit Naturstein umgehen können und sich andererseits auf die intelligente Anwendung hochpräziser 3D-Aufnahmen und zeitgemäßer CAD/CAM und Robotertechniken verstehen. Zur Herstellung von Bildhauerteilen aus Naturwerkstein muss als erstes der Modellbildhauer ein Gipsmodell anfertigen, das im zweiten Schritt durch Scan-Techniken berührungslos und zerstörungsfrei in ein geschlossenes 3D-Modell überführt wird. Das Modell dient im dritten Schritt als Vorlage für einen Roboter zur Fertigung eines 1:1-Natursteinrohlings, welcher abschließend wieder eine manuelle Steinmetz- und Bildhaueroberfläche erhält, die dem historischen Original entsprechen soll. Denn man hat es mit Bauskulptur zu tun, bei der ein Stück gerade nicht wie das andere auszusehen hat. Schließlich gehen die fertigen Einzelstücke mit einem Versetzplan an die Baustelle, wo u. a. die Bamberger Steinmetze die barocken Fassaden erstellen.

Drei KUKA Roboter beim Bamberger Natursteinwerk im Einsatz

Als Testpartner von KUKA Robotics hat das Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH im Jahr 2008 den ersten Roboter für Steinbearbeitung in Deutschland in Betrieb genommen. Drei KR 500 L480 MT ausgestattet mit der KUKA Steuerung KR C4 unterstützen 25 Steinmetze und Bildhauer nicht nur bei diesem Großauftrag. Im Rahmen der Ausschreibungen für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses hat das Bamberger Natursteinwerk Herman Graser Aufträge für die Rücklagenfassaden der Nord- und Südseite, sowie die Portale I und V als Zugang zum Schlüterhof erhalten. Für die Rekonstruktion werden in kurzer Zeit aus verschiedenen Steinbrüchen die Sandsteine für ca. 2.400 m³ hochwertige Steinmetzarbeiten, wie Fensterumrahmungen, Gesimse und Säulen, sowie ca. 600 vollständig ausgearbeitete Bildhauerwerkstücke benötigt.

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