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„Wir stehen am Beginn eines Jahrzehnts tiefgreifender technologischer Transformation“

KUKA Group CEO Christoph Schell über Physische KI (Physical AI) und Automation 2.0 sowie die strategische Rolle von KUKA in einer neuen industriellen Phase.


Carolin Hort
21. April 2026
Imagine
Lesezeit: 5 Min.

Christoph, KUKA spricht von einer neuen Ära der Automatisierung: Automation 2.0. Was genau verändert sich gerade?

Christoph Schell: „Wir erleben aktuell einen grundlegenden Wandel. Produktionen verlagern sich geografisch. Es gibt viele Gründe dafür, doch wir beobachten, dass viele Kunden in Märkten wie den USA, Indien, Vietnam und Thailand ihr Wachstum beschleunigen – getragen von einem starken Unternehmergeist, einer raschen Einführung neuer Technologien, einer hohen Umsetzungsgeschwindigkeit, umfangreichen Infrastrukturinvestitionen und dem Bestreben, den Anteil lokaler Komponenten in der Stückliste zu erhöhen.

KUKA Group CEO Christoph Schell
"Zeitgleich zur geografischen Entwicklung passiert eine der größten technologischen Entwicklungen unserer Branche," sagt Christoph Schell, CEO KUKA Group.

Zeitgleich zu dieser geografischen Entwicklung passiert eine der größten technologischen Entwicklungen unserer Branche. Automatisierungssysteme analysieren nicht mehr nur Daten oder führen vorprogrammierte Abläufe aus. Sie werden immer mehr ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und zunehmend autonom in der physischen Welt handeln. Diese Verbindung aus KI und Robotik markiert den Übergang von Automation 1.0 zu Automation 2.0.

Viele Unternehmen setzen seit Jahrzehnten erfolgreich auf klassische, regelbasierte Automatisierung. Wird sie jetzt abgelöst?

Christoph Schell: „Nein, absolut nicht. Automation 1.0 bleibt essenziell – für KUKA, für eine Vielzahl unserer Kunden und für die gesamte Industrie. Sie liefert Stabilität, Produktivität und Sicherheit, insbesondere in Hochvolumen- und sicherheitskritischen Umgebungen. Was wir tun, ist eine Erweiterung: Wir ergänzen bewährte, deterministische Systeme um intent-basierte und KI-getriebene Fähigkeiten. Automation 1.0 bleibt das Rückgrat, Automation 2.0 bringt zusätzliche Flexibilität.“

Was bedeutet in diesem Zusammenhang „intent-basierte Automatisierung“?

Christoph Schell: „Intent-basierte Systeme übersetzen das gewünschte Ziel eines Anwenders direkt in Entscheidungen und Aktionen. Der Mensch gibt nicht mehr jeden einzelnen Schritt vor. Stattdessen ermittelt das System selbst, wie ein Ziel erreicht werden kann – basierend auf Daten, Kontext und Lernprozessen. Das beschleunigt den Weg von der Idee bis zum produktiven Einsatz erheblich.“

Auf dem Weg zu Automation 2.0: KUKA ergänzt bewährte, deterministische Systeme um intent‑basierte und KI‑getriebeneFähigkeiten. 

Eine zentrale Rolle spielt dabei die neue Plattform KUKA AMP. Warum ist sie strategisch so wichtig?

 

Christoph Schell: „Mit KUKA AMP, unserer Automation Management Platform, verbinden wir klassische Automatisierung mit neuen, offenen Software Ansätzen. Die Plattform schlägt eine Brücke zwischen deterministischer Automatisierung und absichtsbasierter Steuerung. Für unsere Kunden bedeutet das: Automatisierung wird einfacher, präziser, skalierbarer und autonomer – über unterschiedliche Assets und Anwendungsbereiche hinweg.“

Die KUKA AMP wurde erstmals auf der NVIDIA GTC Anfang 2026 vorgestellt. Welche Signalwirkung hatte dieser Auftritt?

Christoph Schell: „Die GTC hat sehr deutlich gezeigt, wie eng KI Technologie und industrielle Anwendungen inzwischen zusammenrücken. Ich kann mit Jensen Huangs Aussage, dass jedes Industrieunternehmen zu einem Robotikunternehmen wird, nur anschließen. Dass ein KUKA Roboter dort auf der großen Bühne zu sehen war und wir die KUKA AMP auf dem Event gelauncht haben, unterstreicht unsere Rolle in dieser Transformation. Physische KI ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern beginnt jetzt, die industrielle Realität zu verändern.“

Gleichzeitig ist das globale Umfeld von geopolitischen Spannungen, fragmentierten Märkten und instabilen Lieferketten geprägt. Welche Rolle spielt Automatisierung in diesem Kontext?

Christoph Schell: „Gerade in einem volatilen Umfeld und in fragmentierten Märkten wird Automatisierung zu einem strategischen Stabilitätsfaktor. Unsere Kunden müssen Produktions- und Lieferketten widerstandsfähiger, flexibler und regional anpassbarer gestalten. Automation 2.0 unterstützt genau das: Sie hilft, Komplexität besser zu beherrschen, Prozesse schneller umzustellen und auch unter unsicheren Rahmenbedingungen verlässlich zu produzieren. Physische KI ist damit nicht nur eine technologische Innovation, sondern eine konkrete Antwort auf eine instabilere Welt. Darüber hinaus verzeichnen wir bereits heute Wachstum in Bereichen, in denen die Kombination aus deterministischen und absichtsbasierten Systemen in der Fabrik-, Lager- und Gesundheitsautomatisierung entschlossen vorangetrieben wird. Die Chance liegt nicht nur in der Technologie, sondern auch in einer echten Innovation des Geschäftsmodells, da immer mehr Kunden von transaktionalen zu X-as-a-Service-Modellen übergehen.“

KUKA Group CEO Christoph Schell
Christoph Schell, CEO KUKA Group: "Gerade in einem volatilen Umfeld und in fragmentierten Märkten wird Automatisierung zu einem strategischen Stabilitätsfaktor." 

Wie positioniert sich die KUKA Group strategisch in diesem zunehmend dynamischen Wettbewerbsumfeld?

Christoph Schell: „Wir bauen auf unseren Stärken auf: tiefgehende Fertigungsexpertise, globale Präsenz und ein integriertes Portfolio aus Hardware, Software und digitalen Lösungen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Zukunftsfelder wie Software, KI und modulare Produktionsplattformen. Unser Anspruch ist klar: KUKA wird auch im Zeitalter der Physischen KI eine führende Rolle einnehmen. Die Chance ist real und erfordert von uns als Unternehmensgruppe einen lokalen Ansatz. Zugleich müssen wir den Kostenfokus konsequent beibehalten, da die Realität von Automation 1.0 weiterhin sehr wettbewerbsintensiv ist. Und schließlich bietet sich uns eine große Chance, unseren Kunden noch bessere Lösungen mit tiefem vertikalem Branchen-Know-how über alle Segmente hinweg anzubieten – dafür brauchen wir eine weitere Stärkung der KUKA-Marktteams im gesamten Konzern und einen stärkeren Fokus auf ergebnisbasierte Geschäftsmodelle.“

Diese Neuausrichtung spiegelt sich auch in Investitionen wider.

Christoph Schell: „Richtig. 2025 haben wir mit 213 Millionen Euro so viel wie nie zuvor in Forschung und Entwicklung investiert. Das ist ein klares Bekenntnis zu Innovation und langfristigem Wachstum. Parallel dazu haben wir unsere globale Aufstellung weiter gestärkt – mit Innovations- und Anwendungszentren in Asien, den USA und Europa. Unser Umsatz im Jahr 2025 verteilt sich zu etwa einem Drittel auf die Regionen EMEA, Amerika und den asiatisch-pazifischen Raum.

China bleibt dabei ein besonders wichtiger Markt.

Christoph Schell: „China ist mit Abstand der größte Robotikmarkt weltweit. In diesem hochkompetitiven Umfeld haben wir unsere Position weiter ausgebaut und erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Euro in der Region erzielt. Das unterstreicht die strategische Bedeutung Chinas für KUKA.“

KUKA Group CEO Christoph Schell Interview
"In China haben wir unsere Position weiter ausgebaut und erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Euro in der Region erzielt", sagt Christoph Schell, CEO KUKA Group.

Was bedeutet all das konkret für die Kunden von KUKA?

 

Christoph Schell: „Unsere Kunden profitieren von einem zentralen Automatisierungspartner, der End-to-End Lösungen aus einer Hand liefert – von Robotik und Intralogistik über Software, Simulation und KI bis hin zu kompletten Produktionsanlagen. Ziel ist es, Automatisierung weltweit einfacher zu machen, zu skalieren und zu betreiben.“

Zum Abschluss: Was erwartest du für die kommenden Jahre?

Christoph Schell: „Wir stehen am Beginn eines Jahrzehnts tiefgreifender technologischer Transformation. Software, KI, Kosteneffizienz und geografische Verschiebungen werden entscheidende Treiber sein. Mit Automation 1.0 und Automation 2.0 schaffen wir die Grundlage, damit unsere Kunden und die KUKA Group selbst in diesem Umfeld erfolgreich und resilient sind.“

Hier schreibt:
Carolin Hort
Manager Corporate Communications

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